Rezension Christoph Giesa „Echte Helden, falsche Helden.

Was Demokraten gegen Populisten stark macht.
Anfang September erschien im Verlag Droemer Knaur die Streitschrift „Echte Helden, falsche Helden. Was Demokraten gegen Populisten stark macht“. Der Publizist Christoph Giesa wagt sich an ein Thema, dass in Deutschland recht umstritten ist. Helden – jeder sucht sie im Sport, in der Musik oder den sozialen Medien. „Aber darf es deutsche Helden überhaupt geben?“ fragt sich der Autor. Er erinnert an unsere Geschichte, die zu einer tiefen Skepsis gegenüber charismatischen Leitfiguren, denen wir blind vertrauen – ganz besonders in der Politik führt. Schonungslos legt Christoph Giesa offen, dass unser Parteien-System, unsere Demokratie in einer tiefen Krise steckt. Auf der einen Seite zerfallen Volksparteien.

Gleichzeitig erstarken die neuen Rechten. Meinungsfreiheit – das Wort verkommt zur Phrase – genutzt um demokratische Helden aufzubauen. Verfassungsfeindliche Parolen gehören zum Alltag – demokratisch gewählte Parteien tragen diese bis in den Bundestag. Andere Vertreter einer offenen Gesellschaft sind ins Abseits gedrängt, werden nieder-geschrien. Der Publizist Christoph Giesa weiß um die Brisanz seines Buchs. Debattenbuch nennt er es, aufgegriffene Impulse , die aktuell diskutiert werden, will der Autor einordnen und weiterentwickeln. So nennt er ein Kapitel „Der Kampf um Köpfe und Herzen“ und zitiert gleich zu Anfang Kurt Tucholsky. Der Autor, dessen Bücher die Nazis später verbrannten, warnte schon 1931, dass das Volk das meiste falsch verstehe, aber das meiste richtig fühle. Ein Grundgefühl, dass die Schreihälse der Nazis missbrauchen, so Tucholsky.  Christoph Giesa geht weiter und stellt fest, dass wir gerade eine „krisenhafte Unübersichtlichkeit erleben“. Viele sind überfordert. Für Populisten eine Chance mit einfachen Antworten und Lösungen Anhänger zu finden.
Das Debattenbuch des Autors birgt aber auch fragwürdige Äußerungen, wie das folgende Zitat „Lange überwog die Angst vor dem „Heldenkult“, […], alles andere.
Immerhin hatte dieser uns einerseits in den Faschismus und andererseits in seinen Zwilling, den Kommunismus, geführt.“ An anderer Stelle schreibt Giesa „Gräul von Faschismus und Sozialismus“. Sicher die Verbrechen unter dem Diktator Stalin sind nicht zu leugnen. Aber in der DDR lebten die Menschen nicht wie in Zeiten der Hitler Diktatur – Hunger, Krieg und Elend unbekannten Ausmaßes gab es bei weiten nicht. Hier hätte ich mir eine klarere Differenzierung gewünscht.
Insgesamt ein wichtiges Buch, dass zur Diskussion über die aktuelle Lage anregt.