Kommentar

(Freie) Kulturszene – eine Analyse nach dem Treffen der „Freien Szene“ am 6.12.18 im Forum Gestaltung:

Das Netzwerktreffen fand auf Einladung des Kulturhauptstadtbüros Magdeburg 2025 statt. Text: Salka Schallenberg

 

Es gibt verschiedene Ebenen:

 

Die, die sich ein „festes Plätzchen“ (Festanstellung) gesucht haben und als zweites ihrer eigentlichen Leidenschaft als Kreative nachgehen.

Die, die einfach nur frei leben und arbeiten wollen. Sogenannte „KSK-Leute“, wie Norbert Pohlmann sie nennt.

Die, die gerade ins Berufsleben starten, jung, vielleicht auch etwas naiv sind, aber vor Ideen sprudeln und sich in die Gemeinschaft und Gesellschaft einbringen wollen.

 

Generation, die nach der DDR endlich das mitwirken in Vereinen ausleben konnten – ist aber zumeist schon älter, nutzt für Konzepte und Ideen zumeist Fördergelder

 

Generation, die keine Strukturen wie Vereine braucht, sich locker in Gemeinschaften, auch über soziale Netzwerke trifft und Konzepte und Ideen umsetzt, Finanzierung über Förderungen zumeist zweitrangig

 

Potential:

 

„ festes Plätzchen-Leute“: sind schon viele Jahre aktiv, haben oft ein großes Netzwerk aufgebaut, da zumeist in Vereinen engagiert. Können, da sie Sicherheit zu leben haben, mit freiem Kopf Projekte planen, gestalten, beantragen und umsetzen.

 

„KSK-Leute“: haben viele Ideen, können, wenn sich finanzielle Sicherheit, haben viel mehr aus sich herausgehen, sind „hungrig“ auf Neues und Mitstreiter

 

„junge,-unverbrauchte-Leute“: bringen frischen Wind, geben neuen Energieschub

 

Aufgaben:

 

Ziel muss es sein, die verschiedenen Ebenen zusammen zubringen. Eine Gesprächsbasis sollte geschaffen werden.

 

Oft äußerten viele Bedarf an Unterstützung, Beratung. Ideen:

Eine feste Anlaufstelle, ähnlich wie das kürzlich von der Stadt eingerichtete Familienbüro in der Krügerbrücke. Vielleicht könnte als Übergang dies auch ein Ort für die freie Szene sein, wo diese Kontakte bzw. Informationen erhalten?

Oder als mobile Variante, dass Ansprechpartner zu den Akteuren der freien Szene bei Bedarf kommen.

 

Wer könnte das sein?

Ähnlich wie die sog. Business-Angel Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung, die aus dem Berufsleben ausscheiden oder andere, die aus dem Berufsleben ausscheiden und ein großes Netzwerk haben.

Zur Stadtverwaltung: Gerade, wer die Anfangsjahre in den 1990er Jahren miterlebt hat, bringt sicher interessante Erfahrungen mit.

 

 

 

Thema Kulturhauptstadt:

 

aktuelles Projekt „einfach machen!“ mit über 100 Bewerbungen

 

Katja Lucker sagte hierzu, dass die Auswahl sicher schwierig ist und dass die, die keine Förderung erhalten sicher Unverständnis zeigen könnten.

 

Das Potential der eingereichten Projekte ist wertzuschätzen.

 

Von daher wäre es wünschenswert, dass die Projekte, die keine Förderung erhalten trotzdem Beachtung finden. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, dass zusammen mit der Stadt oder anderen Partnern gemeinsam Wege gesucht werden, wie sich das Projekt dennoch umsetzen lässt? Eventuell sogar durch Sponsoren oder Kooperationen (auch zwischen Projekten)?

 

Was passiert, wenn Magdeburg Ende 2019 nicht zur Gruppe der Städte gehört, die weiter kommen?

 

Das erstellte Bewerbungsbuch birgt ein großes Potential. Es ist eine aktuelle Reflexion auf Magdeburg. Für die Themen Image und Identität ein durchaus interessanter Aspekt.

 

Magdeburg, die Stadt der Brüche – 1631, 1945 und 1990 – erlebte immer wieder einen radikalen Wandel. Für die Bürger hieß das, eine neue Identität finden. Nach 1631 dominierten Militär und gehobenes Bürgertum, nach 1945 dominierten die Arbeiter. Nach 1990 mit dem Zusammenbruch der Industrie entwickelte Magdeburg sich langsam wieder zu einer Stadt mit kulturellen Werten und Besinnung auf die Historie.

 

Seit Anfang 2010 ist das historische Erbe, mit der Kampagne „Ottostadt Magdeburg“ das Aushängeschild. Ende Februar 2013 gibt es durch den Stadtrat ein kurzes „überdenken“ der Kampagne. Die kommunale Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH (MMKT) führt diese weiter, zuständig für die Außenwerbung der Stadt. Der Stadtmarketingverein „Pro Magdeburg“ soll für das Binnenmarkteting, d.h. Ansprache der Bürger der Stadt, zuständig sein.

 

2019 gehen wir in das 10. Jahr der Kampagne „Ottostadt Magdeburg“ . Mit dem für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt erstellten Bewerbungsbuch könnte das Marketing der Stadt Magdeburg komplett überdacht werden.

 

Ist es nicht sogar Zeit dafür?

Allein ein Blick auf den Wohnungsmarkt zeigt, dass sich Magdeburg grundlegend geändert hat und immer weiter ändert. Neue Wohnviertel in der Innenstadt entstehen. Neben Stadtfeld-Ost sind es vor allem die elbnahen Stadtteile: Werder, Cracau, Brückfeld, Alte Neustadt und Buckau, die sich radikal geändert haben. Nicht zu vergessen, der Elbbahnhof entstanden im Zuge der IBA 2010. Wissenschaft und Forschung, mit eingeschlossen die Otto-von-Guericke-Universität und die HS Magdeburg-Stendal, prägen die Stadt genauso.

 

Egal, ob Magdeburg Ende 2019 weiter kommt oder nicht, auf jeden Fall sollte im Zuge der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2015 das Stadtmarketing überdacht werden.

 

„Nicht: Es muss etwas geschehen! Sondern: ICH muss etwas tun!“,

so der Widerstandskämpfer Hans Scholl. Heute, 75 Jahre nach dessen Ermordung tauchen Worte wie Widerstand und das Symbol die weiße Rose wieder auf, mißbraucht von der AfD bei sogenannten Trauermärschen. Aber nicht Antifaschisten, wie einst die Scholl-Geschwister, sind unter den Teilnehmern. Nein, es sind Menschen, die meinen, dass in einer Demokratie das Recht auf freie Meinungsäußerung bis zu MordAufrufen gehen kann.
Da ruft am Montag in Köthen eine junge Frau in Richtung Journalisten und Gegendemonstranten: „Die da hinten werden als Erstes brennen. BRENNEN. Und ihr habt mich richtig verstanden." Ihre Mitsympathisanten jubeln. „Deutschland den Deutschen“ rufen zahlreiche Demonstranten. Wenn Deutschland nicht den Deutschen allein gehöre, verliere man sein Haus und Hof, seine Arbeit, seinen Lohn – viel schlimmer wir verlieren unser Land war  zu hören. So schrie ein Redner „Es ist Krieg, es ist ein Rassenkrieg gegen das Deutsche Volk“ - das sind Worte, gerufen nicht in der Zeit des Nationalsozialismus, nein, gerufen dieser Tage 2018 in Köthen und  wieder Jubelnde Demonstranten.

Erinnert mich an die Worte: Wollt Ihr den totalen Krieg? Es folgten schwarze Jahre für Deutschland: Ausgrenzung, Ermordung, Krieg, Zerstörung...
Und nein, es gehört nicht zur Demokratie, dass wir diese Worte und Rufe auf der Straße zulassen.
In der Weimarer Republik verharrten Militaristen und Kriegstreiber als Erben des Kaiserreichs insbesondere innerhalb der Verwaltung und des Militärs. Die Demokraten haben das verkannt.  
Die Folgen: Militärputsch bzw. Staatsstreich, so zum Beispiel im März 1920.  Und ab 1933 wehte endgültig ein ganz anderer Wind durch Deutschlands Straßen.
Auch ich und meine Kinder haben einen Migrationshintergrund, wie es so schön heißt. Die Hugenotten in meiner Familie fanden in Berlin eine Heimat. Auch meine russische Großmutter fand nach der Oktoberrevolution Anfang der 1920er Jahre in Deutschland eine neue Heimat.
Und nun lebe ich in einer Zeit, in der die Werte und Ideale meines Großvaters aktueller  denn je sind:
Mit vielen persönlichen Opfern gegen den Krieg und für eine demokratische Gesellsschaft einzutreten.
Als Kriegsdienstverweigerer im I.Weltkrieg inhaftiert. Als Kommunist Unterstützer der Novemberrevolution. In der NS-Zeit als Künstler Malverbot und die Kunst als entartet eingestuft. Als Antifaschist verfolgt und ins KZ verschleppt.
Das wollen wir nicht wieder haben.
Von daher ist es an der Zeit und es ist an uns, daß jeder, der die Demokratie schätzt, etwas dafür tut.

Netzwerktreffen der Freien Kulturszene Magdeburg – eine Reflextion

Das Netzwerktreffen fand auf Einladung des Kulturhauptstadtbüros Magdeburg 2025 statt. Text: Bernd Schallenberg

Vernetzung

Wozu brauche ich eine Netzwerkstelle? Wenn ich ein Projekt starte, habe ich meine Leute. Ja, mag sein. Sind diese denn immer bereit und in der Lage ein gemeinsames Projekt zu regeln. Ist es nicht auch befruchtend, wenn man sich mit unbekannten Menschen austauscht?

Ein Netzwerk ist notwendig, um eine Bewegung zu schaffen. Eine Bewegung schafft Mehrheiten und Mehrheiten verändern. Das weiß man.

Ein Netzwerk verlangt aber eine gewisse Koordination. Das berühmteste Netzwerk ist wohl das Spinnennetz. Es funktioniert ja nur deshalb, weil die Spinne es zusammenhält.

Deshalb ist eine Anlaufstelle für die freie Szene sinnvoll. Eine sehr kluge Idee, wie die Stadt ein Netzwerk entwickelt, ist das Familieninformationsbüro (FiB) in der Innenstadt. Dort gibt es ein kleines Team, welches alle Familienagehörige berät und sie dann an Spezialisten weiterleitet. Ebenso gibt es dort einen Still- und Wickelraum, der zu den Öffnugszeiten für junge Mütter uneingeschränkt zur Verfügung steht. Es entsteht ein freier Raum. Eventuell kann man das Kulturbüro der Stadt etwas umgestalten.

 

Umdenken: Kultur ist nicht benefit, Kultur ist Hefe und Gärung einer Stadt.

Eine Zäsur in der Kulturentwicklung der Stadt war ohne Zweifel die Streichung des Kulturjahres 2008. Das hat nachhaltigen Schaden angerichtet. Damals war man der Auffassung, daß Kultur freiwillig sei. Man kann es tun, muß es aber nicht. Genau darauf fundiert auch die Kulturcharta 2010 meines Erachtens.

Wenn es langfristig gelingt, die Kultur als Motor der Gesellschaft zu begreifen, werden sich auch Möglichkeiten für die Freie Szene ergeben. Gibt es einen gesunden Nährboden, kann Freie Kulzurszene ein ernstzunehmender Wirtschaftszweig werden.

 

Ermöglicht endlich Freiräume!

Durch den Zusammenbruch der DDR brach auch die Industrie zusammen. Es entstanden sehr viele und sehr große Industriebrachen. Allein im Schwermaschinenbau verschwanden etwa 50.000 Arbeitsplätze hier in der Stadt. Das entspricht etwa einem Viertel der Stadtbevölkerung. Diese Flächen wurden im wahrsten Sinne des Wortes rekultiviert. Wie man weiß, bespielten Die Freien Kammerspiele fast 10 Jahre lang solche Brachflächen mit beachtlicher überregionaler Resonanz.

Noch bis vor wenigen Jahren wurden Industriebrachen kulturell genutzt, etwa das Altstädtische Krankenhaus mit dem Projekt Romantik 2.0 oder dem ehemaligen Gefängnis mit dem Projekt Sinnlichkeit. Inzwischen verschwinden die Flächen zusehens. Es entstehen stattdessen exklusive Wohnparks. Kunst und Kultur veschwinden fast. Dies verdrängt Kultur und blockiert kreative Ideen.

Es braucht mehr Räume innerhalb und außerhalb von Gebäuden - nicht zwingend noch einen weiteren Veranstaltungsort. Vielleicht greift man die Idee von Kulturhäusern aus der DDR wieder auf. Kulturorte für jedermann! z.B. Das Klubhaus Junger Talente. Heute ist es eine trostlose Ruine. Im Erdgeschoß war eine große Bühne, in der oberen Etage eine kleine, drum herum genügend Räume für alle möglichen Ideen.

 

Oder ganz besonders die vielen kleinen Kulturinseln wie den Fliederhof in Olvenstedt. Platte hin, Platte her, in fast jedem Innenhof gab es Begenungsräume, die jeder nutzen konnte. Auch diese sind fast alle verschwunden. Das hat selbstverständlich mit dem Wegzug größer Bevölkerungsteile aus Olvenstedt und dem dann folgenden Abriß zu tun. Ob es Alternativen gab, wissen wir nicht.

 

Und die schon öffentlich bespielten Flächen wie der Domplatz sollten auch der freien Szene zur Verfügung stehen. Daß das geht, konnte man in der Vergangenheit schon beobachten – allerdings nur in Ausnahmefällen.

 

Straßenkünstler sieht man übrigens in der Stadt eher selten.

 

Ja, es gibt sie, diese Orte. Forum Gestaltung, Moritzhof, Feuerwache Sudenburg, Thiem20. Aber es sind zu wenige.

Es braucht Räume wie das FiB, wo man sich ungezwungen treffen kann. Ok, man kann sich im Cafe oder in der Kneipe treffen. Das verlangt aber immer, daß man Geld ausgibt.

 

Wie wenig Kultur erträgt der Magdeburger?

Man kennt und mag die Akteure der Stadt. Aber will man sie denn auch wirklich das ganze Jahr sehen? In einem Gespräch kam das so durch: Ich kann mich maximal dreimal im Jahr hier in Magdeburg auf die Bühne begeben, dann haben die Leute auch genug.

Folglich, wenn es zu wenig kulturellen Nährboden gibt, findet sich auch niemand ein. Also ist denn Magdeburg für Kulturschaffende überhaupt attraktiv?

 

Finanzierbarkeit, Planungssicherheit.

Die Freie Szene lebt davon, daß man an keinen festen Ort und keinen festen Auftraggeber gebunden ist. Wenn man immer nur auftritt, um Geld zu verdienen, dann bleiben Kreativität und Spaß auf der Strecke. Aber will man sich ein Repertoir aufbauen, ein Theaterstück entwickeln, ein Kunstwerk schaffen, dann geht sehr viel Zeit ins Land. In dieser Zeit verdienen die wenigsten freien Künstler überhaupt irgend etwas. Auftragsproduktionen sind eben nicht in großen Mengen vorhanden.

 

Kleine Projekte lassen sich oft nicht realisieren, weil schlicht keine Möglichkeit besteht, unkompliziert Fördergelder zu beantragen. Man muß heute bereits wissen, was man 2020 im Sommer für ein Projekt machen möchte. So kann man Straßenbaumaßnahmen planen aber kein kleines Projekt, was von Spontanität lebt. Kultur ist aber nun mal recht spontan.

Ein Projektfond und eine Stelle, die Geld verteilen kann sind da hilfreich. Modelle hat der Kulutminister Reiner Robra schon auf den Weg gebracht.

Der Verein LanTze e.V. soll nach Vorstellung des Ministers die Verbindungsstelle zwischen Theaterleute in der Landesregierung sein. Diesem vertraut man auch das Geld an. Damit will man flache Strukturen schaffen.

 

Erschwerend kommt hinzu, daß die Förderperiode nur ein Jahr beträgt. Man kann heute Geld beantragen für ein Projekt im übernächsten Jahr, welches dann wiederum nur ein Jahr läuft. Und die Förderung der Stadt beschränkt sich auf Vereine. Freiberufliche Künstler haben es dadurch schwerer an Geld zukommen.

 

Gründet man ein Unternehmen oder will eine Wirtschaftsförderung beantragen, dann liegt dort eine Ertragsvorschau von drei Jahren bei. Das bringt auf beiden Seiten eine gewisse Planungssicherheit. Man kann abschätzen, ob das Projekt tragfähig sein und langfristig fortbestehen wird.

Das geht nicht, wenn man im Jahresrhythmus denken muß.

 

Ist Kultur Wirtschaft?

Ja und nein.

Ja, weil man mit dem Erlös seinen Lebensunterhalt bestreiten, Material einkaufen, Künstlersozialkasse sowie sämtliche Proejtkosten bezahlen muß. Überdies erfodert eine Freiberufliche Tätigkeit eine Anmeldung beim Finanzamt. Bis zu einer Umsatzgröße von ca. 18.000 Euro ist man von der Steuer befreit. Darüber werden Steuern fällig. Das ist bei einem kleinen Theaterensemble mit vier Vorstellungen im Monat mit etwa 20 Zuschauern sehr schnell erreicht.

 

Nein, weil kreative Arbeit nicht messbar ist.

 

 

Kultursteuer?

 

Kann man von Unternehmen in der Stadt eine Kulturabgabe verlangen, etwa wie die GEMA auf jeden CD-Rohling, Player, Computer? Ließe sich eine Kultursteuer bei jedem Touristen einnehmen, so wie es Kurorte machen? Das Geld könnte in dem schon genannten gesammelt werden und dann direkt an die freie Kultuszene vergeben werden. Das wäre fast ein Modell, wie es die Reformation mit der Gemeindeordnung eingeführt hat.

 

 

Haben wir überhaupt Projekte, die für das Thema Kulturhauptstadt geeignet sind? Wollen wir unsere Projekte überhaupt so aufpusten?

 

Die Kulturhauptstadtbewerbung soll die kleinen Projekte mitnehmen! Denn die Stadt lebt nicht nur von Openair-Veranstaltungen und Großevents, sondern insbesondere von den vielen tausend Miniprojekten. Da waren sich beim ersten Netzwerktreffen der Freien Kulturszene alle einig.

 

Wahrnehmung

 

….aus der kulturmd-Sicht

 

Wir hören immer wieder, es stand in der Volksstimme. Gut und wichtig.

Das Internetportal kulturmd.de existiert bereits 17 Jahre. Sinn und Zweck damals wie heute ist es Kultur in der Stadt aufzuspüren und in kurzen Filmen über das Internet zu verbreiten. Bis 2009 taten wir das über die benannte Webseite und zusätzlich über unser kulturmd-Lesemagazin, welches zwischen 2006 und 2009 15 mal erschien. Von den Lesern sehr beachtet, von der Kulturszene wahrgenommen, von der Volksstimme und anderen Printmedien bekämpft. Wir haben es eingestellt, weil wir in der Verbreitung unserer Filme über das lokale Kabelnetz eine große Chance sahen, Kultur sichtbarer zu machen.

 

Inzwischen erreichen wir etwa 100.000 Kabel-Haushalte in der Stadt. Wir können monatlich durchschnittlich 40.000 Besucher auf der Internetseite verzeichenen. Das hat sich seit Erscheinen der ersten Hefte unseres Magazins nicht geändert. Wir gehen regelmäßig auf Sendung. Die Themenpalette ist breit und bunt wie die Stadt selbst. Wir werden von vielen Zuschauern angesprochen: auf der Straße, im Supermarkt, beim Würtschengrillen in der Schule.

 

Es ist das abwechslungreiche Programm, weshalb die Leute uns ansprechen. Wir holen die Kultur aus der Ecke und bringen sie ins Wohnzimmer.

 

Aber immer noch sind wir relativ unbekannt in der Stadt. Zum Teil glauben wir, daß man uns heute wieder weniger kennt als früher. Woran kann das liegen? An uns, weil wir nicht jeden Termin veröffentlichen oder jede noch so kleine Ausstellung besuchen? An der Omnipräsenz der Tageszeitung?

Liegt es ebenso an der grenzenlosen Facebook-Nutzung? Daran, daß uns auch die freie Kulturszene nicht wirklich wahrnimmt? Oder versteht man nicht, was wir machen? Ist die Stadt denn schon reif für eine Kulturstadt und damit reif für ein Kulturfernsehen?

Vielleicht liegt es auch daran, daß wir nach wie vor bekämpft werden, anstatt kulturmd als Bereicherung für die Stadt zusehen.

 

Warum hat uns das Kulturhauptstadtbüro 2025 bisher nicht entdeckt?

 

Andererseits erfahren wir außerhalb Magdeburgs, etwa in Halle, im Harz und in Berlin und Hamburg, eine sehr große und sehr gute Resonanz auf das Kulturfernsehen aus Magdeburg. Es kommt schon vor, daß wir als kulturmd nach Amsterdam ins van Gogh-Museum eingeladen werden.

 

Wenn wir als Kultursender mit so einer Reichweite nicht bemerkt werden, wie soll denn bitteschön eine freie Kulturszene wahrgenommen werden, die noch dazu wenig organisiert ist? Wie will eine Freie Szene dann gehört werden?

 

Wahrnehmung untereinander

 

Schnell einen Tweet abgesetzt oder ein Facebook-Post. In der Freundesliste die, mit denen man am meisten zu tun hat. Immer auf dem Sprung zur nächsten halbleeren Hand für einen kleine Auftritt. Alles dreht sich immer schneller. Jeder ist nur noch mit sich selbst beschäftigt. Am Ende merkt man nicht, daß man bestimmte Kontakte gar nicht mehr bedient – aus dem Display, aus dem Sinn.

Das Netzwerktreffen führte uns wieder etwas zusammen. Den Kultursender mit den Künstlern.

 

 

 

 

 

 

Kommentar vom 17.04.18

Glaubst Du, die Russen wollen Krieg, wenn sie ihre Kinder lieben? Fragte sich der Sänger Sting in den 1980er Jahren anlässlich der atomaren Bedrohung. Und Udo Linderberg quält bis heute die Frage: Wozu sind Kriege da? Herbert Grönemeyer forderte in der selben Zeit: Kinder an die Macht. Ein Mensch braucht ein Dach über dem Kopf, Essen, Trinken und Wärme. Zum Familienglück gehört Kinderlachen. Was er nicht braucht ist Krieg. Als ich damals Ende 1980er zu den Grenztruppen eingezogen wurde, konnte ich durch geschicktes Verhandeln das Tragen einer Waffe verhindern. Zum Ende der DDR wollte ich nur noch weg von der Truppe, habe auch einen Zivildienstantrag gestellt. Nach der Vereinigung Deutschlands, pünktlich zum Beginn des Irakkrieges tauchte dieser wieder auf im Rahmen einer Mobilmachung für die Bundeswehr. Jetzt bin ich anerkannter Kriegsdienstverweigerer. Da bin ich auch stolz drauf. Nein, ich brauche und will keinen Krieg. Meine Waffe ist die Musik. Unsere Kinder sind jetzt junge Erwachsene. Alle Eltern wünschen sich, das die Kinder erfolgreich ins Leben starten können. Sie sollen in die Welt reisen und wieder nach Hause kommen und glücklich sein „Keine Mutter will ihre Kinder verliern und keine Frau ihren Mann“ Da sitzt nun im weißen Haus ein unberechenbarer Greis. In Russland rasseln die Säbel. Und in Nordkorea spielt man aggressiv mit Atomwaffen herum, als wären es Feuerwerkskörper. Die Syrer fragt keiner, ob sie sich Bomben von Assad und Panzer aus der Türkei wünschen. Ihr Kriegstreiber geht nach hause und lasst die Welt in Frieden. Nein, ich will keinen Krieg.
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