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EINE MUSIKALISCHE LIEBESERKLÄRUNG AN DAS MITTELMEER

Eine Prise Modern Jazz, etwas Balkansprit, noch ein wenig Fusioneinflüsse und arabische Volksmusik. Dazu die Nähe zum Mittelmeer. Obendrauf die Spielfreude und die Neugier der Band auf Unentdecktes. Das scheint das Rezept des Omer Klein Trios. Der Titel ‚Radio Mediteran‘.
Neun frische und mitreißende Songs sind zu hören. Sie schlagen stilistisch einen weiten Bogen.
Dass diese abenteuerfreudige Mischung so gut funktioniert, liegt nicht nur an Kleins Klavierkünsten, sondern auch an der thematischen Klammer. Alle drei Musiker sind in der Nähe zum Mittelmeer aufgewachsen.

„Haggai, Amir und ich hören nach einem Konzert oft noch gemeinsam im Hotel Musik. Während der Tour zu ‚Sleepwalkers’ fiel mir auf, dass ein Großteil der Stücke, die wir uns vorspielten, aus Nordafrika, dem Balkan oder der arabischen Welt stammten.“ Diese Erkenntnis legte den Grundstein für „Radio Mediteran“. Omer Klein entwickelte eine Faszination für das Mittelmeer, studierte seine Geschichte, besann sich eigener Erinnerungen, ging den kulturellen Verbindungen und Vermischungen nach und hörte dabei immer wieder die Musik dieser Region. „Nach und nach erschien mir das Meer wie ein geheimer Kontinent, ein Kulturkreis, der viel mehr Gemeinsamkeiten hat, als sich viele Länder bewusst machen.“ Ein folkloristisches Album ist es dennoch nicht geworden, denn so Omer Klein: „Ich wollte diese Musik nicht kopieren. Wir haben eher versucht, sie aufzusaugen und in einen neuen, persönlichen Kontext zu bringen, um am Ende vielleicht gar ein neues Genre zu schaffen.“

Auch wenn die Musik – trotz eines Songs namens „Protest“ – keine mit dem Zeigefinger fuchtelnde, politische Ebene hat, schwingt diese natürlich mit. Aber: „Mir geht es darum, den Leuten bewusst zu machen, dass uns mehr verbindet als trennt. Das ist meine politische Botschaft. Unsere Geschichte zeigt, dass sich verschiedene Kulturen im Mittelmeerraum gegenseitig positiv beeinflusst und befruchtet haben.“ „Radio Mediteran“ hinterlässt den Hörer oder die Hörerin inspiriert und auf konstruktive Weise optimistisch – und lädt jeden ein, der Neugier auf neue Klänge verspürt, mit einer breiten Umarmung, in die Fans eines jeden Genres passen: „Ich beobachte, dass diese Berührungsangst immer mehr nachlässt“, sagt Omer Klein zum Abschluss. „Der Jazz, den Musikerinnen und Musiker aus meiner Generation spielen, scheint zunehmend Grenzen zu öffnen. Bei unseren Shows tauchen immer mehr junge Leute auf. Vielleicht sind wir ja tatsächlich in einer neuen Ära.“

Die Band kommt zu einem Konzert nach Deutschland und zwar am 22. November. Wer es nicht zum Konzert schafft, sollte sich das Album unbedingt ins CD-Regal stellen. Ein wirklich schönes Werk, auch nach vielem Hören.

Etta Scollo – Il Viaggio Di Maria

Wenn man sich das Album das erste Mal anhört fallen zunächst die sehr ungewöhnlichen Instrumente auf. Sie erinnern zum einen an Folklore,  zum anderen finden sich auch eine Barockgitarre oder eine Oud. Daraus kann man dann auch den Titel des Albums ableiten. Es ist eine  musikalische Reise durch die Jahrhunderte und Regionen der Welt. Der Titel des Albums verrät aber ebenfalls, dass es sich christliche Themen handelt.
Ich habe mich beim Hören zunächst auf das Reisen konzentriert. Dass es sich um Weihnachtslieder handeln könnte, war mit beim ersten Hören nicht bewußt. Das mag daran liegen, dass ich in einer eher der Religion abgeneigten Gegend aufgewachsen bin und somit mir christliche Themen doch etwas fremd sind.
Alles reist: Die Erde, die sich um ihre eigene Achse dreht, ihre Land- und Wassermassen, die Tiere auf ihr, die Menschen. Was sich bewegt, das lebt, und es hinterlässt Geschichten. Etta Scollo ist schon lange von diesem Mysterium fasziniert, davon, dass alles Leben im Einzelnen zyklisch verläuft, aber auch miteinander verbunden zu sein scheint.
Mit ihrem neuen Album begibt sich Etta Scollo auf eine Wanderschaft, widmet sich dabei der ewigen Bewegung jedoch aus einer gänzlich neuen Perspektive. “Il Viaggio Di Maria“ konzentriert traditionelle Weihnachtslieder aus ihrer Heimat Sizilien, welche die Flucht der mit dem Jesuskind schwangeren Maria von Nazareth nach Bethlehem zum Inhalt haben. Die Künstlerin setzt mit diesem Album der Jahrtausende alten Hirten- und Schäferkultur Siziliensein lebendiges Denkmal. Damit begibt sie sich erneut auf die Suche nach den eigenen Wurzeln, bringt Liedgut und Dichtung auf Tonträger und Bühnen, welche außerhalb Italiens unbekannt sind oder sogar gänzlich in Vergessenheit zu geraten drohen.
Wer Etta Scollo kennt, weiß jedoch sofort, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Weihnachtsalbum handelt, dass sie sich stets auf mehreren Ebenen einem Thema hingibt. Unverwechselbar ist die Künstlerin in ihrer Leidenschaft, ihre Heimat mit ihren schimmernden musikalischen und sprachlichen Erbe unterschiedlicher Kulturen sichtbar werden zu lassen.
Die 14 Stücke des Albums sind keine Melodien, die in Kirchen zu hören waren, sondern auf den Plätzen und Straßen der Dörfer und Städte. „Ich kenne die Lieder seit meiner Kindheit, meine Tanten haben sie gesungen“, sagt sie. Sie wurden mündlich und von Generation zu Generation weitergegeben, und wäre nicht der Ethnomusikologe Antonio Uccello in den 1960er-Jahren durch das Land gereist, um die Lieder dieser Kultur in Tonaufnahmen zu sammeln, wäre wahrscheinlich vieles davon in der Zeit der Modernisierung Siziliens in den 1970er- und 1980er-Jahren verloren gegangen.
Gleichförmigkeit erwartet den Hörer nicht. Unterschiedlichsten Empfindungen – Mitleid, Sorge, Ehrfurcht oder Freude – wird mit den Liedern durch facettenreiche Instrumentierung und Gesang Ausdruck gegeben. Mit Daniel Moheit am Akkordeon und Multiinstrumentalist Fabio Tricomi unter anderem an Mandoline, Rahmentrommel, Oud, Dudelsack, Barockgitarre und diversen Flöten, gelingt ein Abbild dieses Stimmungstableaus. Und auch Gastmusiker sowie einen Chor hat Etta Scollo ins Studio in Bologna geholt. Zum Einsatz kommen damit vorrangig Instrumente, die noch heute traditionell verwendet werden, etwa von den „Orbi“, blinden Sängern, die in Sizilien vor Kirchen oder geschmückten Straßenaltären ihre Lieder spielen.
Diese Musik ist selbst gereist, durch Jahrhunderte und Kulturen, und dreht sich in den Stücken auch alles um die Reise Marias, hat man es doch mit eigenen kleinen Geschichten zu tun.
Entstanden nach der Christianisierung – genau datiert werden können sie nicht – haben sich die Hirtenlieder durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder verändert. Ihren Charakter bildet „Il Viaggio Di Maria“ in ihrer zeitlosen sizilianischen Folklore ab, durch die etwa mit der Oud arabisches Erbe schimmert, zugleich getragen von der erdigen Wärme des Akkordeons und der Leichtigkeit der Flöte, so wie im Instrumentalstück „Pastorale messinese“.
Und überhaupt die Menschlichkeit. Allerspätestens am Ende des Albums wird überdeutlich, wie sehr Etta Scollo immer noch vom Thema Flucht – der unfreiwilligen Reise des Menschen in unserer Zeit – ergriffen ist. Weihnachten betrachtet sie „wie eine Art Knotenpunkt“, an dem sich Widersprüchliches kristallisiert, der Wunsch nach Frieden und Harmonie groß ist, sich in der Realität aber familiäre und politische Konflikte verschärfen, es laut und hektisch wird. In „San Giuseppe e Maruzza“ singt sie davon, wie Josef und Maria nach einer schweren Zeit unterwegs aus der kleinen, kalten Grotte, in der ihr Kind geboren wird, liebevoll ihr Zuhause machen. Josef fegt den Boden, Maria wäscht Wäsche, Josef hängt sie auf. „Darin steckt so viel Hoffnung, überall wieder ein Zuhause finden zu können“, sagt die Musikerin. Im Innenteil des Albums drückt sie es so aus: „Gewidmet den Völkern, ihren Frauen und Kindern, die seit Menschengedenken auf der Wanderschaft in die kommende Zukunft sind.“ Könnte sie sich etwas wünschen, dann das, sagt Etta
Scollo: Die Erkenntnis der Menschen, dass Marias Reise nicht beendet ist.

 

Etta Scollo - "Il viaggio di Maria - Marias Reise"-Tour

03.12. DE-Berlin, Quasimodo
04.12. DE- Weimar, Mon Ami
05.12. DE- Saarbrücken, Breite63
06.12. DE- Herdecke, Werner Richard Saal
14.12. DE- Neumühle, Kornspeicher
15.12. DE- Dresden, Dreikönigskirche
16.12. DE- Ingolstadt, Eventhalle Am Westpark
17.12. DE- Freiburg, Jazzhaus

kulturmd das Stadtfernsehen mit Kultur aus Magdeburg ist und bleibt frei und unabhängig.

Am 9. Oktober vor 10 Jahren ging kulturmdTV erstmals im Kabelnetz der Region Magdeburg auf Sendung. Wir haben dieses Datum für den Sendestart bewusst gewählt. War es doch der 20. Jahrestag der Montagsdemonstration, bei der in Leipzig 70.000 Menschen friedlich für Reformen in der DDR demonstrierten.
10 Jahre Lokalfernsehen aus und für Magdeburg. In der Zeit haben wir Höhen und Tiefen erlebt. Erst hatten wir viele finanzielle Förderer, konnten täglich auf Sendung gehen. Ein buntes Programm, immer mit einer Mischung aus Kultur und regionalen Nachrichten. Inzwischen sind wir in der Realität angekommen, immer wieder liegen Steine im Weg.  Wöchentlich gibt es nun ein kompaktes Magazin: Nachrichten angereichert mit Filmen und Reportagen.
10 Jahre kulturmdTV – wir feiern still für uns. Glückwünsche aus der Wirtschaft oder Kultur, von der Stadt oder vom Land gibt es nicht. Vielleicht, weil es keinen interessiert?
Aber Ihnen liebe Zuschauer wollen wir Danke sagen, dass Sie uns all die Jahre begleitet haben.
kulturmd das Stadtfernsehen mit Kultur aus Magdeburg ist und bleibt frei und unabhängig. Wir arbeiten nach journalistischen Grundsätzen. Und so können Sie sich weiterhin auf eine kritische Berichterstattung am Puls der Zeit freuen.
Achten Sie bitte auch auf unsere Aktion „Mein Geld für kulturmd“ - jeder Euro hilft uns, den harten Weg als Sender weiter zugehen.

Geflüchteter syrischer Künstler zeigt Werke in der Stadtbibliothek Traumata des Krieges und der Unterdrückung

Hinter dem Bürgerkrieg in Syrien verbergen sich unzählige Schicksale Einzelner wie das des syrischen Künstlers Rimon Alsoliman, der in Magdeburg Zuflucht gefunden hat. Seine Acrylbilder und plastischen Kollagen spiegeln den Verlust der Heimat und Existenz aus der Sicht eines unmittelbar Betroffenen.

Der Bildhauer und Grafiker wirkte zuvor mehr als 20 Jahre lang als bildender Künstler und war in leitender Verwaltungsfunktion für Kunsterziehung an den Schulen in und rund um die heute zerstörte Stadt Homs verantwortlich. Der Krieg nahm ihm sein Haus, in dem er mit seiner Frau und drei Söhnen lebte, und seine Existenzgrundlage. Heute kann Rimon Alsoliman seinen künstlerischen Beruf nicht mehr ausüben, doch bereits in der Flüchtlingsunterkunft begann er mit einfachen Mittel zu zeichnen und fertigte später auch plastische Kollagen mit Stoff, Metall und Silikon. In seinen Werken verarbeitet er die Erinnerungen an Syrien, die traumatischen Erfahrungen der Unterdrückung und eines verheerenden Kriegs.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. September in der Stadtbibliothek am Breiten Weg zu sehen

 

„Der Anschlag von Halle zeigt: der Radikalisierung der Sprache folgt irgendwann die Radikalisierung der Taten.“

„Stehen wir kurz vor einem rechten Umbruch? Die rechte Terrorgefahr war nie größer.“, stellte ich in meinem Kommentar im Juni zum Mord an den Politiker Walter Lübke fest. Nun wenige Monate später wieder ein Anschlag auf unsere Demokratie. Rechte Gewalt entlädt sich in Halle – diesmal sind  eine Synagoge und ein Döner-Imbiss das Ziel. Schnell sind die Bilder von den NSU-Morden wieder im Kopf.


Die Worte von Bundesaußenminister Heiko Maaß sollten uns aufrütteln und mahnen: „Ich bin es leid, immer wieder entsetzt und erschüttert sein zu müssen. Wann hört das auf? Warum geschieht das in unserem Land? Unserem Land!“
Unser Land – vor 30 Jahren ging wir in der DDR für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie auf die Straße. Ohne Gewalt mit Kerzen und Worten forderten wir das ein, was eigentlich selbstverständlich sein sollte in der Deutschen Demokratischen Republik, der DDR.


Und jetzt leben wir in einem Land, in dem es nicht nur die klassischen Neonazis gibt, das Netzwerk der Neuen Rechten bestimmt immer mehr unser tägliches Leben. „Der Anschlag von Halle zeigt: der Radikalisierung der Sprache folgt irgendwann die Radikalisierung der Taten.“ so der Politiker Sigmar Gabriel mahnend. Gerade erst zur diesjährigen Buchmesse in Leipzig traf ich den Autor Christian Fuchs, der in seiner aktuellen Denkschrift diese Entwicklung aufzeigt.


Das engmaschige Netz der Neuen Rechten nährt sich von den Burschenschaften und der Identitären Bewegung und führt zur AfD als „Gravitations-zentrum der Strömung“ wie es, die Autoren nennen.
Und es ist leider so, die Identitäre Bewegung hat ihr Zentrum in unserem Bundesland Sachsen-Anhalt. Dem müssen wir uns einfach stellen. Nun ist es die Aufgabe jedes Einzelnen, entschieden dagegen etwas zu tun.
Und „Wir müssen uns geschlossen jeder Form von Antisemitismus entgegenstellen", wie  Regierungssprecher Steffen Seibert forderte.

Es gibt viele israelische Songs, die auf russischen Songs basieren. Osteuropäische Melodien, versehen mit hebräischen Texten. Das wurde zu einem Folk-Idiom in Israel. Dann gibt es Komponisten, die den mediterranen Sound und die arabischen Rhythmen der Darabouka mit westlichen Harmonien verbanden. Das brachte einen speziellen Sound hervor. Dieser Sound bin ich.

So Avishai Cohen

Frischer und sehr cooler Fusion-Jazz aus Isreal

Cohen, in Israel geboren, gehört zu den 100 wohl einflussreichsten Bassisten des 20. Jahrhunderts. Sein neues Album Arvoles kommt sehr frisch rüber. Ein wenig, aber wirklich nur ein wenig fühlt man sich an Miles Davis‘ Tutu erinnert. Etwa am Anfang von Gesture 1.

Klassische Musik und afrokaribische Rhythmen, Bebop und Hardbop, Swing und HipHop – auf „Arvoles“ finden sich reichlich Spurenelemente. Aber mit jedem neuen Album scheint vor allem Cohens Persönlichkeit stärker durch. „Der Jazz-Visionär globalen Ausmaßes“, um das Down Beat-Magazin zu zitieren, fühlt sich in seiner eigenen Haut heute wohler denn je. „Ich schätze, dass ich gelernt habe, schneller auf den Punkt zu kommen, in der Musik, aber auch im Leben“, reflektiert Cohen.

Im Jahr 1992 zog er nach New York, wo er sich anfangs u.a. als Möbelpacker und Bauarbeiter durchschlagen musste und sein Bassspiel meist nur in Parks oder U-Bahnen zu hören war. Er besuchte dort auch die New School for Jazz and Contemporary Music. Nach gemeinsamen Auftritten mit Größen wie Paquito D’Rivera, Joshua Redman, Wynton Marsalis oder Roy Hargrove engagierte ihn der Latinjazzpianist Danilo Pérez für seine Band, und 1996 holte ihn dann der Weltklassepianist Chick Corea in sein neu formiertes akustisches Sextett Origin.

 

Cohen geht immer neue Wege. Deswegen nimmt sich „Arvoles“ („Bäume“ in der romanischen Sprache der sephardischen Juden) gänzlich anders aus in Klang und Anmutung. „Diesmal wollte ich mein Augenmerk auf etwas Neues lenken. Ich betrachte ‚Arvoles‘ als neue Musik, die meine Welt der letzten paar Jahre spiegelt. Sie reflektiert, wenn man so will, ein anderes Merkmal meiner Persönlichkeit“, sagt Avishai Cohen.

„Arvoles“ enthält acht neue Instrumental-Kompositionen, die in den letzten Jahren entstanden, und einen überlieferten Song. Den Plan, sämtliche neun Stücke für das neue Album zusammenzustellen, hatte Cohen zunächst nicht. Die Kompositionen reiften unabhängig voneinander, zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Dennoch spielen sie einander zu und wirken wie aus einem Guss. „Arvoles“ wurde mit dem Schlagzeuger Noam David aus Israel und dem Pianisten Elchin Shirinov aus Aserbaidschan aufgenommen. Beide sind hervorragende Musiker und eigenständige Komponisten. Sie begleiten Cohen auch während seiner kommenden, weltumspannenden Tour, die weit bis ins Jahr 2020 hineinreichen wird.

„Der Grundgedanke hinter den Aufnahmen zum neuen Album war, mehr durch weniger zu erzählen“, erklärt Cohen. „Es braucht freilich reichlich Erfahrung, um dieses Ziel erreichen zu können.“ Die Musik ist klar gekennzeichnet von ihrer einzigartigen, definierenden DNA – ein Merkmal, das Cohen erst entdeckte, als die Aufnahmen bereits vollendet waren. „Es ist unmöglich, vor mir selber zu fliehen, selbst, wenn ich es wollte“, sagt Cohen über seine kompositorische Handschrift, die wie ein roter Faden durch „Arvoles“ führt.

 

„Die meisten der neuen Kompositionen beschäftigen sich mit Rückblicken, wie es scheint. Sie umfassen sogar Horns, denen ich in meiner Musik eine ganze Weile lang keinen Platz mehr eingeräumt hatte“, sagt Cohen. Posaunist Björn Samuelsson und Flötist Anders Hagberg dimensionieren „Arvoles“ zusätzlich. „Man kann sagen, dass ich mich meinen Wurzeln wieder zuwende“, konstatiert Cohen. „Aber das geschieht mit der Reife und der Vision, die ich in den letzten Dekaden gewinnen konnte. Nostalgie ist in ihrer besten Form das stärkste, romantischste, aufrichtigste und bittersüßeste Gefühl. Und ich finde, dass sie überall in der neuen Platte zu spüren ist, von ‚Childhood‘ über ‚New York ’90’s‘ bis zu ‚Nostalgia‘.

„Ich darf auf eine überaus glückliche Kindheit zurückblicken und bin deswegen sehr stolz darauf, dass ein Gemälde meiner Mutter Ora Cohen das Cover meines neuen Albums ziert“, berichtet Cohen stolz. „Sie ist eine eigenständige Malerin und mit ihrer Malerei auf der Hülle meiner Platte schließt sich für mich ein Kreis. Es füllt mich mit großem Stolz, ihre Arbeit auf diese Weise mit meiner zu verbinden.“

 

Im Herbst is Cohen auf Tour. Er macht Station in Braunschweig, Berlin, Hamburg und in Halle /Saale.

www.avishaicohen.com

100 Jahre Bauhaus: Paul Klee war 10 Jahre Meister am Bauhaus

Klee schuf viele tausend Ölbilder, Zeichnungen und Aquarelle. Außergewöhnlich an seinen Bildern sind ihr hintergründiger Humor, ihr philosophischer Bezug und ihre feine Nuanciertheit in Form, Farbe und Schattierung. Klee wurde beeinflusst von Theater, Lyrik, Musik, und Literatur. Er verknüpfte scheinbar naive Malerei mit strengen Kompositionen.
Besonderen Reiz auf seine Arbeit hatte die schlichte Kraft von Kinderbildern.


Die ersten Puppen, die Paul Klee für seinen Sohn Felix schuf, waren die Klassiker Kasperl, Gretl, Tod und Polizist.  Die Puppen benötigten eine Bühne.  Der Junge wollte mit ihnen spielen und kleine Aufführungen vor Publikum zeigen.
So baute ihm der Vater eine. Ein großer Bilderrahmen mit Stoffresten beklebt, der in der Türöffnung zwischen Wohn- und Schlafzimmer hängte.

Zunächst war er Formmeister, in der Buchbinderei, der Glasmalerei, der Metall und der Webereiwerkstatt. Später leitete er in Dessau eine freie Malklasse
Sein größter Verdienst am Bauhaus lag in seinem theoretischen Unterricht. Themen wie Farbe, Räumlichkeit oder geometrische Formen bilden den Kern seiner Gestaltungslehre.

Die Ausstellung ist bis Ende Januar 2020 zu sehen.

 

 

 

Die Zerstörung einer Dresdner Künstler-Biographie durch die Stasi

DDR Anfang der 1980er Jahre, Zeit des Wettrüstens, Zeit der Umweltverschmutzung und Zeit des politischen Aufbruchs der Opposition. In Dresden agiert ein Mail-Art-Netzwerk – Postkarten gedruckt von Jürgen Gottschalk, versendet in alle Welt – Kommunikation durch Kunst per Post. Für das Regime in der DDR eine Provokation. Schnell ist die Gruppe um den Grafiker Gottschalk im Visier der Stasi – der Operative Vorgang (OV) „Feind“. Jahrelange Bespitzelung, Berufsverbot, Ausreiseantrag, Haft und schließlich 1985 Ausreise mit Freikauf in die BRD – die Stationen eines zerstörten Lebens. Jürgen Gottschalk hat bereits 2006 im Rahmen der Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur seine Geschichte veröffentlicht. Ein erster Schritt sich der Vergangenheit zu stellen, das Erlebte zu verarbeiten.
Nun über 10 Jahre später ist es 2019 an der Zeit, das Buch „Druckstellen. Die Zerstörung einer Dresdner Künstler-Biographie durch die Stasi“ in überarbeiteter Form neu aufzulegen. Erschienen  in der Evangelischen Verlagsanstalt.
Es gab vieles, was noch nicht erzählt war, auch ein Rückblick war jetzt wichtig. Zum einen finden sich nun in dem Buch einige ausgewählte Mail-Art Abbildungen, um das, was für die Stasi eine Provokation war, visuell zu untermauern. Andererseits ist der Operative Vorgang (OV) „Feind“ nicht nur auf unzähligen Seiten der Stasi-Akte von Jürgen Gottschalk dokumentiert. Sogar eine Diplomarbeit hat Gottschalks „Stasi-Offizier“ über die „Zersetzung“ der der Mail-Art Künstler verfasst. Im aktuellen Buch findet sich Anhang die gesamte Diplomarbeit zum nachlesen. Auch wenn der Abdruck doch eine recht kleine Schrift hat. Mit dem 2017 von Dr. Nancy Aris, stellvertretende Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen, geführten Interview erfährt der Leser noch mehr über den Autor. Aber auch Jürgen Gottschalk selbst wirft noch einmal einen Blick zurück. Kritisch reflektiert er, die Zeit der politischen Verfolgung in der DDR und des Ankommens im Westen – seine Zeit und die der DDR-Bürger nach 1990. Jürgen Gottschalk resümiert hierzu: „Zwischen dem Wegducken vor der Verantwortung  für das eigene Tun und dem übereifrigen Anpassen an die neuen Verhältnisse polarisierte sich eine Gesellschaft, die nie eine Chance bekam, die eigenen Träume auszuprobieren...“ Und es ist dem Autor wichtig „dass gerade auch junge Leute mental da hinkommen, sich nicht alles bieten zu lassen, die Missstände der Zeit nicht als gottgegeben hinzunehmen, kein willenloser Mitläufer, sondern Sand im Getriebe zu sein...“ Mit dem Buch zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, die gewonnene Freiheit jeden Tag aufs Neue zu verteidigen.  

Ausstellung der Konrad Adenauer Stiftung

Mut, Kerzen und Gebete waren im Sommer und Herbst 1989 die Symbole, mit  denen tausende DDR-Bürger auf die Straße gingen. Sie kämpften für  Reisefreiheit, Frieden, Freiheit, Demokratie und eine freie
Presse. In Städten wie Ost-Berlin, Leipzig, Dresden, Erfurt reihten sich jede Woche mehr Bürger in die Demonstrationszüge ein.
Sie brachten ein über 40 Jahre gewachsenes Einparteiensystem ins Wanken  und am Ende zum Einsturz.
Die Bilder begeisterter Menschen in Ost und West gingen 1989 um die Welt.

Eine vom Künstler Gino Kuhn erstellte Ausstellung will an die Ereignisse von vor 30 Jahren erinneren.

Es gibt immer wieder schöne Überraschungen. So ist es auch  mit dem Album „Apart“ von Teresa Bergmann. Die mir bisher unbekannte Künstlerin nimmt den Zuhörer sogleich in Beschlag. Man muß einfach zuhören. Mal soulig, mal funky, etwas Jazzfeeling, eine Prise Folk. Alles wird durch die Stimme der Künstlerin zusammengehalten.
Entstanden ist ein anspruchsvolles Trennungs-Album mit experimentellen Vocal-Arrangements, kunstfertigen Streichern und einer ausgefeilten Soundästhetik.  Ein intensives Pop-Soul-Album

Von der Straßenmusikerin zur Studio-Tüftlerin: noch vor wenigen Jahren stand Teresa Bergman mit ihrer Akustikgitarre im Berliner Mauerpark. Es folgten zwei Releases und Tourneen durch Asien, Neuseeland und Deutschland.
Teresa Bergman ist weitgereist. Aufgewachsen in Wellington, Neuseeland, kam sie 2009 nach Europa. Im polnischen Breslau und in Leipzig studierte sie Sozialwissenschaften, und während eines Praktikums verliebte sie sich in Berlin. Bald spielte sie regelmäßig im Mauerpark. „Ich habe in der Zeit einen sehr perkussiven Gitarrenstil entwickelt, um gegen den Straßenlärm anzukommen“, erinnert sich die Künstlerin, die schon im Alter von neun Jahren vor neuseeländischen Einkaufszentren gesungen hatte, um ihr Taschengeld aufzubessern.
In Berlin fand die heute 32jährige, die alle Songs selbst schreibt, auch ihre international besetzte Band um Tobias Kabiersch (Bass), Pier Ciaccio (Drums) und Matt Paull (Keyboards). Mit den drei Musikern hat sie ihr zweites Album „Apart“ aufgenommen, co-produziert mit Bilderbuch-Produzent Sebastian „Zebo“ Adam.
„Apart“ ist deutlich weniger folkig als ihr erstes Album, viele Stücke haben eine dunkle Soul-Ästhetik, passend zu den oft melancholischen Songtexten. „Ich habe mir viele Gedanken über Grooves gemacht,“ sagt Bergman. „Bei jedem Instrument haben wir lange am jeweiligen Sound getüftelt.“ Die Streicherarrangements für Violine, Viola und Cello stammen vom Londoner Ben Barritt, der auch einige fulminante E-Gitarren-Soli beisteuerte.
„Apart“ beginnt mit Songs, die um das zentrale Thema des Albums kreisen: Trennungen. Der Titelsong wird mit einem schweren Gitarren-Riff, leichten Dissonanzen und einer geisterhaften Hammond Orgel eröffnet. „Apart“ – das kann „auseinander“ bedeuten, aber auch „hinreißend“, deutsch ausgesprochen. Teresa Bergman fügt eine weitere Möglichkeit hinzu, wenn sie sich fragt: von welchen Dingen möchte ich ein Teil, also „a part“ sein?
In „Hold Your Heart” setzt die Künstlerin das ein, was sie Vocal Percussion nennt: zischend-rhythmische Sounds, die einen bouncenden Disco-Funk einleiten. „Only Numbers“ ist anspruchsvoller Pop, der die Digital-Abhängigkeit unserer Zeit kritisch betrachtet. Er verdeutlicht Bergmans Vorliebe für raffinierte Gesangstechniken und experimentelle Stimmenverpflechtungen, wie man sie von der französische Sängerin Camille kennen mag.
„Semi-Professional Clown“ erinnert an Bergmans Vergangenheit als Sängerin in einem Barbershop-Quartett. Komplett selbst arrangiert, und nur mit ihrer eigenen Stimme instrumentiert, erzählt die Neuseeländerin hier von einer fiktiven Figur, die doch nahe an ihr selbst ist. Zentrale Frage: Was bedeutet Authentizität für die Kunst?
An „Mirror Girl“ hat Bergman seit zehn Jahren gearbeitet; sie nennt es eine „Folk-Fusion Extravaganza“. Der Song, dessen komplexe Akustikgitarren-Spuren von Joni Mitchell, aber auch jüngeren Folk-Heldinnen wie Ani di Franco inspiriert wurden, hat eine epische, filmische Qualität. Die treibenden Grooves im letzten Teil spiegeln Bergmans Vorliebe für Schlagzeug-Sounds a la Herbie Hancock ,wider.
„Apart“ ist ein vielschichtiges Trennungs-Album, das nicht bloß romantische, sondern auch familiäre Trennungen behandelt. Die Künstlerin selbst nennt es ein “coming-of-age record”. „Es geht um Fehler, und die Lektionen daraus. Um eine selbstbewusste Frau, die auch in der Lage ist, sich Schwächen einzugestehen. Denn: nur wer sich selbst wirklich liebt, wirkt apart.“

Ab Oktober ist Teresa Bergmann auf Deutschlandtournee

die Termine findet man auf ihrer Homepage www.teresabergman.com

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