Kommentar

kulturmd das Stadtfernsehen mit Kultur aus Magdeburg ist und bleibt frei und unabhängig.

Am 9. Oktober vor 10 Jahren ging kulturmdTV erstmals im Kabelnetz der Region Magdeburg auf Sendung. Wir haben dieses Datum für den Sendestart bewusst gewählt. War es doch der 20. Jahrestag der Montagsdemonstration, bei der in Leipzig 70.000 Menschen friedlich für Reformen in der DDR demonstrierten.
10 Jahre Lokalfernsehen aus und für Magdeburg. In der Zeit haben wir Höhen und Tiefen erlebt. Erst hatten wir viele finanzielle Förderer, konnten täglich auf Sendung gehen. Ein buntes Programm, immer mit einer Mischung aus Kultur und regionalen Nachrichten. Inzwischen sind wir in der Realität angekommen, immer wieder liegen Steine im Weg.  Wöchentlich gibt es nun ein kompaktes Magazin: Nachrichten angereichert mit Filmen und Reportagen.
10 Jahre kulturmdTV – wir feiern still für uns. Glückwünsche aus der Wirtschaft oder Kultur, von der Stadt oder vom Land gibt es nicht. Vielleicht, weil es keinen interessiert?
Aber Ihnen liebe Zuschauer wollen wir Danke sagen, dass Sie uns all die Jahre begleitet haben.
kulturmd das Stadtfernsehen mit Kultur aus Magdeburg ist und bleibt frei und unabhängig. Wir arbeiten nach journalistischen Grundsätzen. Und so können Sie sich weiterhin auf eine kritische Berichterstattung am Puls der Zeit freuen.
Achten Sie bitte auch auf unsere Aktion „Mein Geld für kulturmd“ - jeder Euro hilft uns, den harten Weg als Sender weiter zugehen.

„Der Anschlag von Halle zeigt: der Radikalisierung der Sprache folgt irgendwann die Radikalisierung der Taten.“

„Stehen wir kurz vor einem rechten Umbruch? Die rechte Terrorgefahr war nie größer.“, stellte ich in meinem Kommentar im Juni zum Mord an den Politiker Walter Lübke fest. Nun wenige Monate später wieder ein Anschlag auf unsere Demokratie. Rechte Gewalt entlädt sich in Halle – diesmal sind  eine Synagoge und ein Döner-Imbiss das Ziel. Schnell sind die Bilder von den NSU-Morden wieder im Kopf.


Die Worte von Bundesaußenminister Heiko Maaß sollten uns aufrütteln und mahnen: „Ich bin es leid, immer wieder entsetzt und erschüttert sein zu müssen. Wann hört das auf? Warum geschieht das in unserem Land? Unserem Land!“
Unser Land – vor 30 Jahren ging wir in der DDR für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie auf die Straße. Ohne Gewalt mit Kerzen und Worten forderten wir das ein, was eigentlich selbstverständlich sein sollte in der Deutschen Demokratischen Republik, der DDR.


Und jetzt leben wir in einem Land, in dem es nicht nur die klassischen Neonazis gibt, das Netzwerk der Neuen Rechten bestimmt immer mehr unser tägliches Leben. „Der Anschlag von Halle zeigt: der Radikalisierung der Sprache folgt irgendwann die Radikalisierung der Taten.“ so der Politiker Sigmar Gabriel mahnend. Gerade erst zur diesjährigen Buchmesse in Leipzig traf ich den Autor Christian Fuchs, der in seiner aktuellen Denkschrift diese Entwicklung aufzeigt.


Das engmaschige Netz der Neuen Rechten nährt sich von den Burschenschaften und der Identitären Bewegung und führt zur AfD als „Gravitations-zentrum der Strömung“ wie es, die Autoren nennen.
Und es ist leider so, die Identitäre Bewegung hat ihr Zentrum in unserem Bundesland Sachsen-Anhalt. Dem müssen wir uns einfach stellen. Nun ist es die Aufgabe jedes Einzelnen, entschieden dagegen etwas zu tun.
Und „Wir müssen uns geschlossen jeder Form von Antisemitismus entgegenstellen", wie  Regierungssprecher Steffen Seibert forderte.

Droht uns rechter Terror?

Der Mordfall Walter Lübke geht uns alle an. Er ist die praktische Folge von jahrelanger rechter Hetze. Solchen Anfeindungen sind in zunehmendem Maße Bürgermeister und Landespolitiker ausgesetzt.
Aber auch jeder, der sich gegen rechts engagiert, wird bekämpft.
Die AfD Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt forderte gerade erst einen Untersuchungsausschuss zum Linksextremismus. Mit eingeschlossen sind Gewerkschaften, Parteien und Bürgerinitiativen, die man überprüfen und am liebsten Abschaffen wolle. Ein Pauschalangriff auf die Zivilgesellschaft.  Stehen wir kurz vor einem rechten Umbruch? Die rechte Terrorgefahr war nie größer.
Die Feinde der Demokratie sitzen überall. Mehr dazu im Film.

Kommentar vom 17.04.18

Glaubst Du, die Russen wollen Krieg, wenn sie ihre Kinder lieben? Fragte sich der Sänger Sting in den 1980er Jahren anlässlich der atomaren Bedrohung. Und Udo Linderberg quält bis heute die Frage: Wozu sind Kriege da? Herbert Grönemeyer forderte in der selben Zeit: Kinder an die Macht. Ein Mensch braucht ein Dach über dem Kopf, Essen, Trinken und Wärme. Zum Familienglück gehört Kinderlachen. Was er nicht braucht ist Krieg. Als ich damals Ende 1980er zu den Grenztruppen eingezogen wurde, konnte ich durch geschicktes Verhandeln das Tragen einer Waffe verhindern. Zum Ende der DDR wollte ich nur noch weg von der Truppe, habe auch einen Zivildienstantrag gestellt. Nach der Vereinigung Deutschlands, pünktlich zum Beginn des Irakkrieges tauchte dieser wieder auf im Rahmen einer Mobilmachung für die Bundeswehr. Jetzt bin ich anerkannter Kriegsdienstverweigerer. Da bin ich auch stolz drauf. Nein, ich brauche und will keinen Krieg. Meine Waffe ist die Musik. Unsere Kinder sind jetzt junge Erwachsene. Alle Eltern wünschen sich, das die Kinder erfolgreich ins Leben starten können. Sie sollen in die Welt reisen und wieder nach Hause kommen und glücklich sein „Keine Mutter will ihre Kinder verliern und keine Frau ihren Mann“ Da sitzt nun im weißen Haus ein unberechenbarer Greis. In Russland rasseln die Säbel. Und in Nordkorea spielt man aggressiv mit Atomwaffen herum, als wären es Feuerwerkskörper. Die Syrer fragt keiner, ob sie sich Bomben von Assad und Panzer aus der Türkei wünschen. Ihr Kriegstreiber geht nach hause und lasst die Welt in Frieden. Nein, ich will keinen Krieg.

„Nicht: Es muss etwas geschehen! Sondern: ICH muss etwas tun!“,

so der Widerstandskämpfer Hans Scholl. Heute, 75 Jahre nach dessen Ermordung tauchen Worte wie Widerstand und das Symbol die weiße Rose wieder auf, mißbraucht von der AfD bei sogenannten Trauermärschen. Aber nicht Antifaschisten, wie einst die Scholl-Geschwister, sind unter den Teilnehmern. Nein, es sind Menschen, die meinen, dass in einer Demokratie das Recht auf freie Meinungsäußerung bis zu MordAufrufen gehen kann.
Da ruft am Montag in Köthen eine junge Frau in Richtung Journalisten und Gegendemonstranten: „Die da hinten werden als Erstes brennen. BRENNEN. Und ihr habt mich richtig verstanden." Ihre Mitsympathisanten jubeln. „Deutschland den Deutschen“ rufen zahlreiche Demonstranten. Wenn Deutschland nicht den Deutschen allein gehöre, verliere man sein Haus und Hof, seine Arbeit, seinen Lohn – viel schlimmer wir verlieren unser Land war  zu hören. So schrie ein Redner „Es ist Krieg, es ist ein Rassenkrieg gegen das Deutsche Volk“ - das sind Worte, gerufen nicht in der Zeit des Nationalsozialismus, nein, gerufen dieser Tage 2018 in Köthen und  wieder Jubelnde Demonstranten.

Erinnert mich an die Worte: Wollt Ihr den totalen Krieg? Es folgten schwarze Jahre für Deutschland: Ausgrenzung, Ermordung, Krieg, Zerstörung...
Und nein, es gehört nicht zur Demokratie, dass wir diese Worte und Rufe auf der Straße zulassen.
In der Weimarer Republik verharrten Militaristen und Kriegstreiber als Erben des Kaiserreichs insbesondere innerhalb der Verwaltung und des Militärs. Die Demokraten haben das verkannt.  
Die Folgen: Militärputsch bzw. Staatsstreich, so zum Beispiel im März 1920.  Und ab 1933 wehte endgültig ein ganz anderer Wind durch Deutschlands Straßen.
Auch ich und meine Kinder haben einen Migrationshintergrund, wie es so schön heißt. Die Hugenotten in meiner Familie fanden in Berlin eine Heimat. Auch meine russische Großmutter fand nach der Oktoberrevolution Anfang der 1920er Jahre in Deutschland eine neue Heimat.
Und nun lebe ich in einer Zeit, in der die Werte und Ideale meines Großvaters aktueller  denn je sind:
Mit vielen persönlichen Opfern gegen den Krieg und für eine demokratische Gesellsschaft einzutreten.
Als Kriegsdienstverweigerer im I.Weltkrieg inhaftiert. Als Kommunist Unterstützer der Novemberrevolution. In der NS-Zeit als Künstler Malverbot und die Kunst als entartet eingestuft. Als Antifaschist verfolgt und ins KZ verschleppt.
Das wollen wir nicht wieder haben.
Von daher ist es an der Zeit und es ist an uns, daß jeder, der die Demokratie schätzt, etwas dafür tut.
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