Lyrik

Kurt Tucholsky "Luftveränderung"

Marcel Reich Ranicki hat in dem gleichnamigen Buch "Die besten deutschen Geschichten und Gedichte" ausgewählt. Ein Sammelsurium quer durch die Jahrhunderte. Zum immer wieder drin lesen, stöbern und entdecken.

Kurt Tucholsky

"Luftveränderung" fordert der Lyriker Kurt Tucholsky und ermuntert in seinem Gedicht, geschrieben Ende 1924, in die Ferne zu reisen - raus in die Welt. Land und Leute entdecken, fremde Kulturen kennenlernen. Das tut wohl jedem gut.  
1924, ein Jahr für einen Neuanfang. Kurt Tucholsky (1890–1935) verlässt Berlin am 6. April 1924, um in Paris als Korrespondent für die Weltbühne und die Vossische Zeitung zu schreiben.
Unter dem Pseudonym Peter Panter schreibt Tucholsky wenige Wochen über sein Ankommen: Das menschliche Paris, Ersterscheinung: Vossische Zeitung, 19.06.1924.
Auszug: "Worin besteht der Zauber von Paris? In der Architektur? In der silbrigen Luft? In der Mode? In den Frauen? Im Sekt? In all dem zusammen? Nein. Das, was die einzige Atmosphäre dieser Stadt ausmacht, ist ihre Menschlichkeit."
Und weiter schreibt er:
"Ich besinne mich, kurz vor meiner Abfahrt in einem Charlottenburger Bäckerladen gewesen zu sein – es war in einer sehr feinen Gegend, am Reichskanzlerplatz – und da war alles aufeinander böse: die Kunden, der Meister, die Bäckerjungen und die Hörnchen. Ohne jeden Grund übrigens. Das habe ich hier noch nie gefunden."