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Nur noch wenige Jahre bleiben Otto Nagel. In den 1950er und 1960er Jahren, engagierter Kulturpolitiker, Vizepräsident und später Präsident der Akademie der Künste der DDR.
Immer wieder war es Nagel wichtig, seine deutschlandweiten Freundschaften, z.B. mit dem Künstler Otto Pankok, auch über die spätere Grenze hinweg zu pflegen. Gemeinsam mit Hans Charoon, dem Präsidenten der Akademie in West-Berlin, versucht Nagel Wege für eine deutsch-deutsche Annäherung zu finden. Für die Kulturpolitik unter Walter Ulbricht nicht hinnehmbar. Und so muss Otto Nagel Grenzen erkennen.

Ab 1952 lebte Nagel in einem Haus mit Atelier in Berlin Biesdorf. Ort des kulturellen Austausches und für die publizistische Arbeit des Künstlers. Innerhalb kurzer Zeit erscheinen Werke von Heinrich Zille und Käthe Kollwitz. Das von Nagel begonnen große Werkverzeichnis ‚Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen‘ führen die Kinder der Künstler Sybille Schallenberg-Nagel und Hans Kollwitz fort. Es erscheint 1972.

Das Buch ‚Otto Nagel, Berliner Bilder‘ erscheint 1955, veröffentlicht von der Akademie der Künste. 1970 gibt seine Frau Walentina die ‚Berliner Bilder‘ neu heraus, mit 134 Seiten und zahlreichen Abbildungen. 1987 erscheint die 6. Auflage des beliebten Buches. Im Vorwort schreibt Walentina: „Ich glaube, dass uns Otto Nagel mit seinen Berliner Bildern ein großes Werk hinterlassen hat, für das wir ihm dankbar sein müssen. Ich hoffe, dass es behütet wird, so wie er und ich es behütet haben unser Leben lang." Wegen der vielen Werke, die im Krieg zerstört wurden, entstanden eine Reihe von Repliken zu den Berliner Bildern.

Das Haus mit Nagels Atelier in Berlin Biesdorf in der Otto-Nagel-Strasse öffnete mir schon früh seine Welt. Meine Großmutter Walentina lebte an einem Ort, an dem es so viel zu entdecken gab. Ich weiß nicht mehr, wann ich das erste Mal die wenigen Stufen zum großen Licht durchfluteten Atelier hinunter ging. Aber ich war wohl noch sehr klein. Hier roch es überall nach Farbe. Die Staffelei und die Palette warteten auf die Rückkehr des Malers. Einen Großvater hatte ich nicht. Es gab nur den Künstler Otto Nagel.

Auch wenn Otto Nagel 1967 starb, seine Weggefährtin Walentina führte sein Werk fort, sei es mit ihren Plänen für ein Otto-Nagel-Haus oder durch zahlreiche Publikationen. Der Kunstwissenschaftler Erhardt Frommhold wählte Otto Nagel für seine Dissertation. Zusammen mit Walentina Nagel entstanden aus Texten, autobiografischen Zeugnissen und ausgewählten Aufsätzen des Künstlers sowie Fotos und Abbildungen ausgewählter Bilder das umfangreiche Buch ‚Otto Nagel: Zeit, Leben,Werk‘. Erschienen 1974. Auch 1974 erschien das Werkverzeichnis ‚Otto Nagel: die Gemälde und Pastelle‘. Die Tochter Sybille hat es zusammen mit ihrem Mann Götz Schallenberg, meine Eltern, erarbeitet. Bis heute eine wichtige Publikation.

Nun schlage ich als Enkelin das Kapitel Otto und Walentina Nagel neu auf.

Enkelin Salka Schallennberg vor dem Bild "Blumenstück vor blau-weißer Vase und Kaktus", 1933/34 Öl auf Leinen 76x61 cm, WVZ 263

Festveranstaltung 125. Geburtstag Otto Nagel 27.9.2019

 Festveranstaltung 125. Geburtstag Otto Nagel 27.9.2019 im Schloß Berlin-Biesdorf (c) Bernd Schallenberg

 

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