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Rezension: Frank Richter „Hört endlich zu!“ Eine Streitschrift.

Es ist ein kleines handliches Buch, passt gut in die Handtasche. „Hört endlich zu! Weil Demokratie Auseinandersetzung bedeutet.“, so der Titel, geschrieben von Frank Richter. Erschienen im ullstein Verlag 2018 als Streitschrift, wie es auf dem Cover steht. Streitschrift, wer ist Frank Richter, das hat mich neugierig gemacht. Der Autor ist Theologe, der der in Dresden den Dialog mit PEGIDA gesucht hat. Schon in der Zeit der friedlichen Revolution hat er in Dresden versucht, zwischen der Staatsgewalt und den Demonstranten zu schlichten.
Nun sitze ich im Wartezimmer beim Arzt und lese das Buch, weil es so gut in meine Tasche gepasst hat. Der Autor steigt gleich aufrüttelnd ein: Deutschland 2018, die politische Lagebeschreibung. Lässt sich das so einfach in ein paar Zeilen, Seiten fassen? Schnell macht Frank Richter klar, wo wir stehen – der radikale Umbruch, ein Epochenwandel, wie die Ablösung des Mittelalters durch die Neuzeit. Der Theologe zählt die Fakten dazu auf, geht zurück in die Zeit Ende der 1980er Jahre als das sowjetische Imperium wie ein Kartenhaus zusammenbrach über die Klimaerwärmung bis hin zu den aktuellen gesellschaftlichen Problemen und die zunehmende Digitalisierung. Wichtig ist zu erkennen, dass zwar die Politiker in der Verantwortung sind, aber all die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen von Menschen gemacht sind. So ist jeder Einzelne auch Teil des Ganzen. Anhand der Ballade von Goethe, die jeder nur allzu gut kennt, macht der Autor klar, das es diesmal viele Zauberlehrlinge sind und die sogar gleichzeitig alles in Gang setzten. Das kann nicht nur ein Hexenmeister bändigen, das wäre auch zu schön.
Der Theologe analysiert tiefgreifend, warum die Bürger von der Demokratie enttäuscht sind und die politische Ordnung in Frage stellen. Er geht sogar soweit, dass er die friedliche Revolution in der DDR als unvollendet sieht. An zahlreichen Beispielen zeigt er auf, woran sich das festmacht. Nicht nur das, Frank Richter geht noch weiter und zeigt auf, dass die Integration der Ostdeutschen in das neue demokratische System der BRD bis heute nicht ausreichend erfolgt ist. Alles in allem ist es eine offene Auseinandersetzung mit dem nach dem zusammengehen von DDR und BRD neu entstandenen Staat. Nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch gesellschaftlich und zwischenmenschlich. Schlussfolgernd daraus ergibt sich die Notwendigkeit, auch mit Parteien wie der AfD, die nun mal in den Landtagen und im Bundestag vertreten ist, einen konstruktiven Diskurs zu führen. Ein Buch, dass zeigt, dass unsere Demokratie die Chance auf eine Erneuerung hat. Nicht mit radikalen Veränderungen sondern durch ein Miteinander der politischen Strömungen, wo jeder sich einbringen muss.
 
 

 

 
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