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Herbst 1926, die erste eigen Wohnung für die junge Familie Nagel in der Turiner Straße im Wedding. Über 50 Künstler wie Otto Dix, George Grosz, Käthe Kollwitz, Heinrich Zille, Hans Baluschek, aber auch Kunstkritiker verschiedener Zeitungen richteten an den Oberbürgermeister eine Petition und baten um eine Wohnung. Ein Altbau, zwei Zimmer im vierten Stock und Millionen von Wanzen, wie Walentina schrieb. Aber der Optimismus von Otto Nagel war groß. Hier lebte sie mit dessen Tochter Lotte, geboren 1916. In der Berliner Stube war das Atelier. Freunde kamen zum diskutieren über die Kunst und die Zeiten. Das Familenglück wähnt nur kurz. 1930 scheitert Lotte an dem sie umgebenen Milieu. Den Freitod verarbeitet Nagel in Bildern.

Dezember 1926, Ausstellung in einem großen Vereinszimmer eines Arbeiterlokals im Wedding. 70 Arbeiten von Nagel. Käthe Kollwitz, Hans Baluschek, Heinrich Zille u. a. kamen zur Eröffnung.

Die Zeitung ‚Die Rote Fahne‘ schreibt: „Hier mittendrinn im Alltag will Nagel Rechenschaft über seine Arbeit, seine Kunst ablegen. Arbeiterkinder, Arbeitslose, ausgesogene Väter und Mütter. Asylisten hocken im Siechenahus. Er hat Bilder, bei deren Anblick man vor Schmerz laut aufschreien könnte.“ Und weiter heißt es: „Seine Bilder sind unfreundlich, ungemütlich und dunkel. Er greift dort hinein, wo das Leben ganz dunkel und trostlos ist. Die Opfer der bürgerlichen Barbarei malt Otto Nagel.“

Immer wieder zeigt der Künstler das Elend seiner Welt. Will aufrütteln. Großformatige Bilder entstehen. Gut zwei mal drei Meter groß wie Arbeitsnachweis, Selbstmörder und Urnenbegräbnis oder das querformatige Bild Parkbank am Wedding.

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